Vor einiger Zeit besuchte mich meine Freundin Lis aus  Schottland, wo ich mal einige Zeit  lebte und arbeitete. Und was glaubt Ihr, was meine Freundin an Bayern am meisten reizte? Nein, nicht Neuschwanstein, da waren ihr zu viele Amerikaner. Das Oktoberfest? Das kannte sie schon. Sie wünschte sich, dass wir etwas sehr Sinnliches tun dessen Ergebnis äußerst genussvoll sein würde: Einen Apfel-Strudel backen! 
Damit der auch von geübten Händen kompetent zubereitet wird, besuchten wir meine Mutter und buken mit ihr gemeinsam einen saftigen Apfelstrudel, nach unserem alten Hausrezept, wie ihn meine Urgroßmutter schon vor 100 Jahren machte. 
 

Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen.
Dalai Lama


Brigittas Download-Rezept 
aus der familiären, würdigen und glorreichen Hausküche von Ur -Oma Stiegler im August 2005.

Ob es nun ein Apfelstrudel, ein Topfenstrudel oder Kirschenstrudel ist, das Grundrezept ist immer gleich. Am wichtigsten ist der Teig, der genug Zeit zum Ruhen haben muss. Die Omas, so denkt man heute, lebten noch gemütlich. Sie hatten viel Zeit. Sicher! Früh aus den Federn, so um 5 Uhr, und begannen das Tagwerk auf dem Bauernhof, das andauerte bis es wieder dunkel wurde. Es war viel zu tun, aber es gab keine Hektik und es gab auch keine Ablenkung. 
 

Der Strudelteig 
traditionell donauschwäbisch 

Teig-Zutaten:
350 g Mehl
Salz
40 g zerlassene Butter
1 großes Ei
¼ l lauwarmes Wasser
zum Besprenkeln flüssige Butter

Teig-Zubereitung:
Das Mehl in eine Schüssel sieben, etwas Salz dazugeben. Eine Grube machen und ¾ der Butter, das verklopfte Ei und langsam das lauwarme Wasser einlaufen lassen. Vorsichtig einrühren. Der Teig muss ziemlich weich sein. Er wird mit einem breiten Holzlöffel ca. 10 bis 15 min abgeschlagen. (Da ist es praktisch wenn mehrere Köchin anwesend sind)

Wenn sich der Teig vom Schüsselrand löst, wird er in 3 Teile geteilt, rund geformt, auf ein bemehltes Brett gelegt und mit dem Rest der flüssigen Butter bepinselt. Großmutter stürzte eine heiß ausgespülte Schüssel über die Teigstücke, damit sie keine Kruste bekamen und nicht austrocknen. Eine halbe Stunde ruhen lassen

In dieser halben Stunde Teigruhe bereiten die nimmermüden Hände der Hausfrau die Obst- oder die Topfenfüllung vor..
 

Apfelstrudel - Füllung:
2 kg saure Äpfel
75 100 g Zucker
1-2 Teel. Zimt
1 Teel. Ingwerpulver
2-3 Teel. Semmelbrösel /Biskuitbrösel 
½ Zitrone

Die geschälten Äpfel in fein hobeln. Die Scheiben sollen möglichst ganz bleiben. Die Äpfel in eine Schüssel geben, mit dem Zucker, Zimt und Ingwerpulver mischen. Zitrone gegen das Braunwerden darauf träufeln. Durchziehen lassen. 
 

Teig-Vorbereitung:
Eine Tischplatte mit einem sauberen weißen Tuch bedecken. Mit etwas Mehl bestäuben.
Den Teig auf ein bemehltes Backbrett legen und etwa tellergroß ausrollen. Mit Butter bepinseln und dann vorsichtig auf dem Handrücken (alle Ringe abnehmen!) größer ausziehen. Auf das Tuch legen, den Teig etwas anheben und von beiden Seiten vorsichtig weiter über den Handrücken ziehen. 

Wenn der Teig den Tischrand erreicht das dicke Ende über den Rand ziehen.

Füllen:
Den Teig mit flüssiger Butter besprenkeln, dann die Apfelfülle auf der einen Teighälfte gleichmäßig verteilen. Semmelbrösel gleichmäßig aufstreuen, damit der überschüssige Saft eingesogen wird. Der überstehenden dicken Teigrand am unteren Ende einschlagen und am oberen Ende abschneiden. 
(Der Teigrest kann geschnitten und als Einlage in Bohnen- oder Gemüsesuppe mitgekocht werden.) 




Das Tischtuch vorsichtig anheben, am Besten zu zweit und den Strudel langsam und sorgfältig aufrollen bis der ganze Teig aufgerollt ist. Die Enden werden sorgfältig verschlossen, damit keine Fülle austritt.

Ein Backblech einfetten und die Strudelrolle zu zweit darauf heben. Je nach Länge des Backblechs oder der Strudelrolle ergeben sich zwei oder drei Längen, die aber nicht passend abgeschnitten sondern umgebogen werden; bei einer Schnittstelle würde Fülling austreten.. 
 

Backen: 
Die vorbereiteten Strudel mit Butter bepinseln evtl. wenig blättrig geschnittene Mandeln aufstreuen. Bei mittlerer Hitze in 45 bis 60 min gar backen. Nach dem Backen aus dem Ofen nehmen, mit einem Geschirrtuch abdecken und 10 min stehen lassen, dass sich der Saft noch etwas verteilt. 
 

Anrichten:
Es ist durchaus schicklich einen Apfelstrudel im Familiekreis mit dem Backblech auf den Tisch zu bringen. Wahlweise kann auch noch Vanillesoße oder ein Fruchtmark dazu gereicht werden. Wir entschieden uns für ein Glas Rotwein.







Variationen: 
Erklärung der Mengen. Die Mengen sind jeweils für ein ganzes Blech berechnet. Wer sich für zwei Sorten auf einem Blech entscheidet halbiert die Füllmenge, teilt natürlich auch den Teig auf und arbeitet dann mit zweimal ausziehen.

Topfenfüllung:
50 g Butter
1000-1500 g Topfen / Quark
3  Eier
250 g Zucker
1/8 l  Sahne
1 Päckchen Vanillepudding
Zitronenschale
1 Zitrone Saft
80 g Rosinen eingeweicht

Aus Butter, 2/3 Zucker und Eiern eine Schaummasse herstellen. Den Topfen aufrühren und dazugeben. Restlichen Zucker und Vanillepuddingpulver mit der Sahne glatt rühren und in die Masse geben. (Oma verwendete ausgekratztes Vanillemark und Kartoffelmehl).

Füllen:
Den Teig wie oben vorbereiten. Die Quarkmischung in Streifen aufbringen, mit Rosinen bestreuen und sehr locker aufrollen, da der Strudel wegen der Eier aufgeht. 
 

Kirschfüllung:
1500 g entsteinte Kirschen
75 100 g Zucker
2-3 Teel. geriebene Mandeln 
2-3 Teel. Semmelbrösel 
½ Zitrone

Die entsteinten Kirschen in eine Schüssel geben, mit dem Zucker, je nach Säure der Kirschen mischen. Die Mandeln dazugeben und Zitrone einträufeln. 

Füllen:
Den Teig wie oben vorbereiten. Die Kirschen locker auf der einen Teighälfte verteilen. Die Semmelbrösel aufstreuen und vorsichtig aufrollen, damit der Teig nicht reißt, sonst gibt es rote Flecken auf dem Tischtuch. 

Eurer Experimentierfreunde ist keine Grenze gesetzt. Es ist auch möglich für einen Strudel Johannisbeeren, Rhabarbarstückchen oder Topfen mit Aprikosenstücken zu versuchen. 

Viel Spaß und lasst Euch erst mal helfen und dann lasst es Euch gemeinsam gut schmecken.

Eure Brigitta
 
 

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Alle Rezepte im Überblick:
  • August 2005: Traditioneller Apfelstrudel
  • Frühling 2005: Sauerkrautsalat "Liebe Base" und panierte Tofuscheiben
  • Winter 2003/2004: Gemüse Curry, Linsensuppe, gedämpfter Reis
  • Sommer 2003: Stachelbeerkuchen
  • Juni/Juli 2003: Erdbeermenü
  • Ostern 2003: Farbige, wohlschmeckende, gesunde Ostereier
  • Fasching+Fasten: Gemüse-Muffins, würzig und saftig
  • Weihnachten 2002: Heiße Schokolade - Blütentee - Kaffee - Gewürzpunsch
  • Herbst 2002: Rot-gelber Rüben-Salat, Heißes Spinatbrot
  • Sommer 2002: Edelgestreiftes  Früchterondell  im  Grießflammeri  auf Mürbteig 
  • Gemüsefrühsommer 2002: Bulgarisches Salatnest, Blumenkohl-Brokkoli-Auflauf mit bayerischem Mandelkren
  • Wundervolle Gemüsetage 2002:Gebackene Süßkartoffeln mit Hot-Curry-Sauce, Sauerkraut-Konfetti-Salat, Exotische Karoffelsuppe 
  • Frohe weihnachtliche Genießertage 2001: Winter-Salat an gebackenem Crowdie, Paranussbraten im Blätterteigmantel und mehr 
  • Herbst 2001: Neue Kartoffeln mit  Mangold und Kräuterjoghurt
  • Frühsommer 2001: Auberginen-Bruschetta mit Koriander-Tomatensoße, Chicoreé und Fenchel im Tomaten-Negligé 
  • Frühlingswochen 2001: 7-Kräuter-Suppe, Bärlauch-Pesto
  • Der Start ins Jahr 2001: Buchweizen-Pflanzerl, Grünkern-Karotten-Pflanzerl
  • Weihnachtsgenuß 2000: Baseler Leckerli, Mandelplätzchen
  • Der Herbst: Sanft gemuster Kürbis, Quitten-Quark-Tarte
  • Der Hochsommer: Salatkombination, Wildreis-Gemüse-Salat
  • Der Frühsommer 2000: Rettich-Radieschensalat, Zitronenmelissen-Quark mit Erdbeeren
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